Neue Zweifel am MSC-Siegel

In einer aktu­el­len Kie­ler Stu­die ist die Ver­läss­lich­keit des blau­en MSC-Siegels an nord­eu­ro­päi­schen Fisch­be­stän­den unter­sucht wor­den – mit einem nie­der­schmet­tern­den Ergeb­nis: Etli­che Bestän­de wur­den stär­ker befischt als öko­no­misch sinn­voll und öko­lo­gisch ver­tret­bar wäre.

Vie­le euro­päi­sche Fisch­be­stän­de gel­ten laut einer Pres­se­mit­tei­lung des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozean­for­schung als über­fischt oder sind von Über­fi­schung bedroht. Das blaue MSC-Siegel auf Fisch­pro­duk­ten soll bekannt­lich garan­tie­ren, dass der Fisch aus geprüf­ter umwelt- und bestands­scho­nen­der Fische­rei stammt, und Ver­brau­chern damit Sicher­heit beim Ein­kauf ver­mit­teln.

Im Rah­men der neu­en Stu­die, an der Wis­sen­schaft­le­rin­nen und Wis­sen­schaft­ler unter ande­rem des GEOMAR-Zentrums und der Kie­ler Christian-Albrechts-Universität (CAU) gear­bei­tet haben, wur­den nun 31 nord­eu­ro­päi­sche Fisch­be­stän­de im Nord­ost­at­lan­tik, die durch zer­ti­fi­zier­te nach­hal­ti­ge Fische­rei nach den Richt­li­ni­en des MSC befischt wer­den, hin­sicht­lich ihrer Bestands­grö­ße und Befischung unter­sucht. „Wir haben uns dabei an den offi­zi­el­len Bestands­ab­schät­zun­gen ori­en­tiert, die auch die Grund­la­ge für die MSC-Zertifizierung bil­den“, sagt GEOMAR-Forscher Rai­ner Froese.

Die Stu­die zeigt, dass im ers­ten Jahr der MSC-Zertifizierung elf Fisch­be­stän­de über der vom MSC fest­ge­leg­ten Ober­gren­ze befischt wur­den. Vier Bestän­de befan­den sich auf­grund ihrer gerin­gen Grö­ße sogar außer­halb siche­rer bio­lo­gi­scher Gren­zen. Den­noch dür­fen Fisch­pro­duk­te aus die­sen Bestän­den wei­ter­hin das blaue MSC-Siegel tra­gen. Der MSC begrün­det dies damit, dass sich die Bestän­de nach Auf­nah­me in das MSC-Programm erho­len wür­den. Die Kie­ler Unter­su­chun­gen konn­ten das jedoch nicht bestä­ti­gen.

Unse­re Stu­die hat somit gezeigt, dass die Regu­lie­rung die Fische­rei nicht effek­tiv beschränkt hat“, betont CAU-Ökonom Mar­tin Quaas als Lei­ter der Arbeits­grup­pe Nach­hal­ti­ge Fische­rei im Exzel­lenz­clus­ter „Oze­an der Zukunft“. Offen­bar, so das Fazit der Stu­die, gebe es kei­ne effek­ti­ve Kon­trol­le der Fän­ge, was mit dem Anspruch einer vor­bild­li­chen Fische­rei nur schwer ver­ein­bar ist. „Öko­sie­gel für über­fisch­te Bestän­de mögen streng genom­men ‚legal‘ sein, ver­tret­bar sind sie nicht“, unter­streicht CAU-Juristin Nele Matz-Lück. GEOMAR-Forscherin Sil­via Opitz ergänzt: „Beim Kauf sind Fisch­pro­duk­te mit MSC-Siegel zwar Pro­duk­ten ohne Sie­gel vor­zu­zie­hen, doch um das ent­ge­gen­ge­brach­te Ver­trau­en der Ver­brau­cher wei­ter­hin zu erhal­ten, muss der MSC an sei­ner Glaub­wür­dig­keit arbei­ten.“

Die Stu­die hat inzwi­schen zu einem Dis­put geführt, weil MSC ihre Grund­la­gen ange­zwei­felt hat. Die For­sche­rin­nen und For­scher haben das ihrer­seits zurück­ge­wie­sen.

Quel­le: GEOMAR-Pressemitteilung vom 24. Mai 2016; http://kurzlink.de/geomar_msc

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WATERKANT-Redaktion