MSC-Siegel für Muschelfischer

Ausgerechnet das umstrit­tene MSC-Siegel, des­sen Verlässlichkeit unter ande­rem von Forschern des Kieler GEOMAR wie­der­holt bezwei­felt wurde, hat der Kieler Umwelt- und Fischereiminister Robert Habeck (Grüne) jetzt Schleswig-Holsteins Muschelfischern über­reicht, damit die ihre Ware nun als „nach­hal­tig“ aus­zeich­nen dürfen.

Minister Habeck hat die Zertifizierung durch das „Marine Stewardship Council“ (MSC) als einen „wei­te­ren Meilenstein im Einigungsprozess zwi­schen Naturschützern und Wattenmeer-Fischerei“ gelobt. Diese star­ken Worte erin­ner­ten an den so genann­ten „Muschelfrieden von Tönning“, der 2015 den Streit zwi­schen Regierung, Muschelfischern und Naturschutzverbänden vor­erst been­det hatte: Nach einer lang­wie­ri­gen Mediation war damals – laut einem Bericht der „Schleswig-Hosteinischen Landeszeitung“ (shz) – ver­ein­bart wor­den, „dass die Kulturfläche, auf der die Muschelfischer wirt­schaf­ten, von 2000 auf 1700 Hektar redu­ziert wird. Davon dür­fen 250 Hektar für Saatmuschel-Gewinnungsanlagen genutzt wer­den, also für die Installation von Netzen, an denen sich junge Muscheln ansie­deln und auf­wach­sen kön­nen, bis sie auf die Kulturflächen gebracht wer­den. Die Fischerei auf wild lebende junge Besatzmuscheln ist dafür ein­ge­schränkt. Die Vereinbarung soll für die nächs­ten 15 Jahre Grundlage der Zusammenarbeit zwi­schen Muschelfischerei und Naturschutz sein.“

Wie das Blatt wei­ter berich­tet, waren unter ande­rem diese Eckpunkte die Voraussetzung für die jetzt erfolgte Zertifizierung, nach­dem MSC zuvor bereits zwei ent­spre­chende Anträge der Muschelfischer zurück­ge­wie­sen hatte. Für die Erzeugerorganisation schleswig-holsteinischer Muschelfischer erin­nerte deren Sprecher Peter Ewaldsen bei dem Termin mit Habeck an die „gro­ßen Zugeständnisse“, die die Fischer gemacht hät­ten. Der Organisation gehö­ren noch fünf Unternehmen an, die acht Kutter betrei­ben. 2015 haben diese etwa 6000 Tonnen Miesmuscheln ange­lan­det, die nun als „aus dem Welterbegebiet Nationalpark Wattenmeer“ stam­mend bewor­ben wer­den sol­len. Der Sprecher der Nationalparkverwaltung, Detlef Hansen, ver­wies dar­auf, dass die Muschelfischer „nur noch“ zwölf Prozent des geschütz­ten Wattenmeers nut­zen dürf­ten, frü­her seien es rund 50 Prozent gewesen.

Mehr siehe hier: „shz“ vom 25. Oktober 2016

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WATERKANT-Redaktion