Skandalöses Urteil“

Mit­te Juni hat der Euro­päi­sche Gerichts­hof (EuGH) ent­schie­den, dass die Ein­hal­tung der euro­päi­schen Natur­schutz­vor­schrif­ten in Mee­res­schutz­ge­bie­ten nicht ohne wei­te­res mit der Ein­schrän­kung von Fische­rei­ak­ti­vi­tä­ten ein­her gehen darf.

Mit­tels einer gemein­sa­men Kla­ge hat­ten die Umwelt­schutz­ver­bän­de BUND, DUH, Green­peace, NABU, WDC, WWF und der Dach­ver­band DNR beim Ver­wal­tungs­ge­richt Köln Fest­stel­lung bean­tragt, dass das EU-Naturschutzrecht Vor­rang vor der Fische­rei hat und die­se ein­schrän­ken darf. Im Zen­trum stand die Ver­wen­dung von Stell­net­zen und boden­be­rüh­ren­de Fische­rei, die bei­de als sehr umwelt­schäd­lich gel­ten, aber bis heu­te groß­flä­chig auch inner­halb von Schutz­ge­bie­ten ein­ge­setzt wer­den. Das VG Köln hat­te die Grund­satz­fra­ge antrags­ge­mäß dem EuGH zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Die Luxem­bur­ger Rich­ter haben nun­mehr ent­schie­den, dass in sol­chen Fäl­len der Natur­schutz weit­ge­hend über die im Fische­rei­recht vor­ge­se­he­nen Ver­fah­ren gewähr­leis­tet wer­den muss. Dem­zu­fol­ge dür­fen die natio­na­len Natur­schutz­be­hör­den in vie­len Fäl­len kei­ne eigen­stän­di­gen Natur­schutz­maß­nah­men anord­nen, die auch zu Ein­schrän­kun­gen der Fische­rei füh­ren wür­den. Als einen „Rück­schlag für den Mee­res­schutz in Euro­pa“ haben die kla­gen­den Umwelt­ver­bän­de das Urteil bezeich­net. Wäh­rend alle ande­ren Nut­zungs­for­men – Sand-
und Kies­ab­bau, Pipe­line­bau oder For­schung – per Ver­träg­lich­keits­prü­fung nach­wei­sen müss­ten, dass ihre Ein­flüs­se mit den Schutz­zie­len des jewei­li­gen Gebiets ver­ein­bar sei­en, blei­be „aus­ge­rech­net die Fische­rei, die aner­kann­ter­ma­ßen die größ­ten Schä­den im Meer hin­ter­lässt, … davon wei­ter­hin aus­ge­nom­men. Das ist ein Skan­dal“.

Quel­len: EuGH, Urteil vom 13. Juni 2018, Akten­zei­chen C-683/16;
Pres­se­mit­tei­lung BUND, DNR, DUH, Green­peace, NABU, WDC, WWF vom 13. Juni 2018

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WATERKANT-Redaktion