Fair übers Meer! – dies sind unsere Forderungen…

Hin­weis: Die­ser Text stammt aus dem Fly­er zum Start der Kam­pa­gne. Er darf – nein: soll – kopiert und ver­brei­tet wer­den. Er darf sach­ge­recht gekürzt oder aus­zugs­wei­se ver­wen­det wer­den, es ist aber nicht zuläs­sig, sei­ne Inhal­te zu ver­än­dern – und im Inter­es­se der Fair­ness bit­ten wir ein­dring­lich dar­um, ihn nicht ohne Quel­len­hin­weis zu ver­wen­den. Dan­ke.

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  1. Nach inter­na­tio­na­lem Recht sol­len Schif­fe unter der Flag­ge des Staa­tes fah­ren, in dem der nutz­nie­ßen­de Eigen­tü­mer ansäs­sig ist. Und es soll eine „ech­te Ver­bin­dung“ zwi­schen dem Schiff und sei­nem Flag­gen­staat bestehen. Die­se Nor­men müs­sen end­lich welt­weit ver­bind­lich wer­den.
  2. Jedes Schiff muss eine tarif­li­che Ver­ein­ba­rung mit einer See­leu­te­ge­werk­schaft sei­nes Flag­gen­staa­tes abschlie­ßen. Bil­lig­flag­gen­schif­fe müs­sen wenigs­tens einen Tarif­ver­trag der ITF vor­wei­sen kön­nen. Der ITF-Tarif als Min­dest­stan­dard darf auf kei­nem inter­na­tio­nal fah­ren­den Schiff mehr unter­schrit­ten wer­den.
  3. Im Kampf gegen Bil­lig­flag­gen und schlech­te Arbeits­be­din­gun­gen müs­sen die amt­li­chen Schiffs­kon­trol­len in den Häfen (Hafen­staat­kon­trol­le) quan­ti­ta­tiv aus­ge­wei­tet und qua­li­ta­tiv ver­schärft wer­den.
  4. Um die Teil­ha­be der Län­der des glo­ba­len Südens am inter­na­tio­na­len See­trans­port zu för­dern, hat die Welthandels- und Ent­wick­lungs­kon­fe­renz der Ver­ein­ten Natio­nen (UNCTAD) schon vor vie­len Jah­ren eine fes­te Ver­tei­lung des Ladungs­auf­kom­mens vor­ge­schla­gen: Je 40 Pro­zent durch Schif­fe des Export- und des Import­lan­des, 20 Pro­zent durch Drit­te. Im Inter­es­se einer glo­ba­len Fair­ness muss die­ser UNCTAD-Kodex 40-40-20 poli­tisch wie­der auf­ge­grif­fen und vor­an­ge­trie­ben wer­den.
  5. Allen Beschäf­tig­ten an Bord und in den Häfen muss unab­hän­gig von ihrer Staats­an­ge­hö­rig­keit glei­cher Lohn für glei­che Arbeit gezahlt wer­den.
  6. Der Trans­port­weg eines Pro­dukts muss trans­pa­rent sein und auf allen Pro­duk­ten oder in geeig­ne­ter Form öffent­lich gemacht wer­den.
  7. Alle am See­han­del teil­neh­men­den Natio­nen müs­sen ein ihrer Flot­ten­grö­ße ent­spre­chen­des Maß an natio­na­ler Aus­bil­dung und Beschäf­ti­gung auf Schif­fen unter eige­ner Flag­ge gewähr­leis­ten, um das mari­ti­me Know­how zu erhal­ten.
  8. Die immer grö­ßer wer­den­den Schif­fe – Aus­druck mas­siv betrie­be­ner Kos­ten­sen­kung und ver­drän­gen­den Wett­be­werbs – gefähr­den zuneh­mend die von ihnen anzu­lau­fen­den Küsten- und Fluss­öko­sys­te­me. Schif­fe müs­sen sich den vor­han­de­nen Zufahrts­we­gen zu den Häfen anpas­sen, nicht umge­kehrt.
  9. Um die nega­ti­ven Fol­gen der See­schiff­fahrt auf das Kli­ma und die Ver­schmut­zung der Ozea­ne zu ver­rin­gern, müs­sen Schif­fe mit hoch­wer­ti­gen, schwe­fel­ar­men Kraft­stof­fen und umwelt­freund­li­chen Antriebs­sys­te­men fah­ren und ihre Emis­sio­nen so weit wie tech­nisch mög­lich ver­rin­gern.
  10. Die deut­sche Poli­tik soll sich auf inter­na­tio­na­ler Ebe­ne für ein kom­plet­tes Ver­bot der Abfall- und Ölge­mi­schent­sor­gung auf den Welt­mee­ren ein­set­zen. Welt­weit, zumin­dest aber euro­pa­weit, ist allen ein­lau­fen­den Schif­fen in den Häfen ein Sys­tem zur ver­pflich­ten­den Abga­be von Abfäl­len jeder Art anzu­bie­ten. Auf allen Schif­fen muss geeig­ne­te Zwi­schen­la­ge­rung aus­rüs­tungs­pflich­tig wer­den.
  11. Um das Abwra­cken von Schif­fen unter öko­lo­gi­schen und sozi­al ver­ant­wort­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen zu gewähr­leis­ten, muss Deutsch­land nicht nur selbst end­lich die Hongkong-Konvention aus dem Jah­re 2009 rati­fi­zie­ren, son­dern sich auch in der EU und inter­na­tio­nal dafür ein­set­zen.
  12. Han­dels­un­ter­neh­men sol­len mit Ree­de­rei­en arbei­ten, die in der Posi­tiv­lis­te der „Ship­brea­king Plat­form“, der Lis­te ver­ant­wor­tungs­be­wuss­ter Schiffs­eig­ner („list of respon­si­ble ship­owners“), auf­ge­führt sind.
  13. Schif­fe soll­ten künf­tig so gebaut wer­den, dass sie sich umwelt- und sozi­al­ver­träg­lich betrei­ben, nut­zen, zer­le­gen und recy­celn las­sen.

Der Fai­re Han­del, die öffent­li­che Beschaf­fung sowie die Unter­neh­men mit staat­li­cher Betei­li­gung sol­len im Rah­men ihrer Vor­bild­funk­ti­on ihre Pro­duk­te nur noch von sol­chen Ree­de­rei­en, Hafen- und Logis­tik­un­ter­neh­men trans­por­tie­ren las­sen, die nicht auf unste­te Beschäf­ti­gung, Bil­lig­ar­beits­plät­ze an Bord wie an Land oder Leih­ar­beit set­zen und die nach Tarif bezah­len.