2009 / 01 – Munitionsversenkung

Munitionsversenkungen im Meer – Auch die Bundesrepublik war jahrzehntelang beteiligt

Die Legen­de, dass die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land kei­ne Muni­ti­ons­ver­sen­kun­gen eigen­ver­ant­wort­lich durch­ge­führt hat, ist wider­legt“, schreibt der Koblen­zer Wis­sen­schaft­ler Dr. Ste­fan Nehring in der aktu­el­len Aus­ga­be der Zeit­schrift WATERKANT. In einer bis­lang ein­ma­li­gen Unter­su­chung hat Nehring jetzt nach­ge­wie­sen, dass nach Ende des Zwei­ten Welt­kriegs nicht nur die Alli­ier­ten und die Regie­rung der DDR Muni­ti­ons­alt­las­ten und che­mi­sche Kampf­stoff­mu­ni­ti­on in den Mee­ren ver­klappt haben: „Auch die Bun­des­re­gie­rung in Bonn sowie ein­zel­ne Lan­des­re­gie­run­gen haben wie­der­hol­te Male der­ar­ti­ge Aktio­nen ange­ord­net und abge­wi­ckelt“, sagt Nehring – „teil­wei­se sogar weit außer­halb der dama­li­gen bun­des­deut­schen Hoheits­ge­wäs­ser“.

In sei­ner umfang­rei­chen Stu­die kommt der Koblen­zer Exper­te, der sich seit vie­len Jah­ren als Gut­ach­ter in Fra­gen des Munitionsaltlasten- und Kampfstoff-Monitoring einen Namen erwor­ben hat, unter ande­rem zu dem Schluss: „Ver­gleicht man die Gift­gas­ver­sen­kun­gen bei­der deut­scher Staa­ten, steht ein­deu­tig fest, dass die west­deut­schen Behör­den mehr als die fünf­fa­che Men­ge im Meer ent­sorgt haben.“ Man­che die­ser Ver­klap­pungs­fahr­ten reich­ten dem­nach bis in die Bis­ka­ya und vor die grön­län­di­sche Küs­te. Neben 1477 Ton­nen Giftgas-Munition sei­en bis Mit­te der 1960er Jah­re durch die Bun­des­re­pu­blik auch meh­re­re zehn­tau­send Ton­nen kon­ven­tio­nel­le Muni­ti­on in den Mee­ren ent­sorgt wor­den.

Ein­dring­lich appel­liert Nehring in sei­nem WATERKANT-Beitrag an die heu­ti­ge Bun­des­re­gie­rung, „end­lich Ver­ant­wor­tung für Mensch und Umwelt zu über­neh­men“ und zur umfas­sen­den Auf­klä­rung der Geschich­te der Munitions- und Kampf­stoff­ver­klap­pun­gen aktiv bei­zu­tra­gen. Die „Alli­anz des Ver­schwei­gens“ durch Bundes- und Lan­des­be­hör­den müs­se been­det, „das Pro­blem der frem­den und eige­nen Muni­ti­ons­ver­sen­kun­gen end­gül­tig“ gelöst wer­den.