Genug gelogen! Langsam, aber sicher kommt die Wahrheit ans Licht über den geplanten Wesertunnel zwischen Dedesdorf und Kleinensiel südlich von Bremerhaven: Geplant ist nichts anderes als ein Teilstück für die von der europäischen Industrie und Wirtschaft seit langem geforderte Küstenautobahn.
Jahrelang haben Regionalpolitiker, hat die rosa-grüne Koalition in Hannover in ihrem Koalitionsvertrag behauptet, es gehe nur um eine "Regionalverbindung", um den Menschen in der Unterweserregion mehr Beweglichkeit und mehr Arbeitsplätze zu bescheren. Jahrelang haben UmweltschützerInnen und VerkehrskritikerInnen dem - auch unter Hinweis auf entsprechende Äußerungen aus Bonn - entgegengehalten, es gehe bei dem Tunnelprojekt in Wahrheit um den Baubeginn der Küstenautobahn. Schon Mitte der achtziger Jahre haben die AKN und ihre Zeitschrift WATERKANT öffentlich gemacht, daß Wesertunnel und Küstenautobahn nichts anderes seien als eines der vom "Roundtable der europäischen Industrie" geforderten "Missing Links" zur Beschleunigung der kontinentalen Transportvorgänge: Der Wesertunnel, betonten die AKN und andere Verbände immer wieder, macht die Unterweserregion zur "Brummi-Rollbahn" von Skandinavien und Osteuropa nach Rotterdam, wo die Häfen mit 30 Milliarden Mark Aufwand ausgebaut werden, um den norddeutschen Konkurrenten das Geschäft zu vermiesen.
Und jetzt? Jetzt ist es amtlich: Verkehrs- und Haushaltsausschuß des Bundestages haben Ende November "grünes Licht" gegeben, den Tunnel als "Konzessionsmodell" zu finanzieren. Im Frühjahr nach erbitterten Rangeleien in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, hatte es im Herbst kurzzeitig so ausgesehen, als ob Waigels Finanzplanung das Projekt scheitern lassen könnte. Der Ausweg: Banken sollen eine private Finanzierung vorlegen, Baufirmen den Tunnel "privat" bauen. Das Konsortium beider Gruppen verkauft dann die fertige Betonröhre an den Bund, der 20 Jahre abbezahlt. Erstens ist das nichts als ein mieser Trick, um den Bundeshaushalt gesünder zu rechnen, als er ist. Und zweitens - wir kennen dieses Modell vom "Chunnel", dem Tunnel unter dem Ärmelkanal - ist dies eben jenes Finanzkonzept, das von der Industrie in besagter "Missing-Links"-Studie vor zwölf, 15 Jahren entworfen wurde, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: neue, kontinentale Betonpisten und dabei auch noch Profite für private Anleger. Und damit liegt endgültig offen, was hinter dem geplanten Wesertunnel steckt.
Genug gelogen, werte PolitikerInnen von CDU, SPD, FDP und GRÜNEN. Sagt den Menschen an der Unterweser jetzt die ganze Wahrheit: Es geht Euch nicht um "regionale Belebung", sondern um den Ausverkauf einer Region: Der Tunnel und die Küstenautobahn werden die skandinavischen und osteuropäischen Transporte "aufsaugen" und nach Westen "blasen" - hängen bleiben nicht wirtschaftliche Impulse, sondern Lärm, Dreck, Umweltzerstörung und Unfälle.
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