aus Heft 3 - 1994:
Wesertunnel - Totgeburt?

Über die Pläne, einen privat finanzierten Wesertunnel bei Dedesdorf zu bauen, hat "Waterkant" schon wiederholt berichtet. Inzwischen ist das Planfeststellungsverfahren für die Bauarbeiten auf dem rechten Weserufer unterbrochen worden. Der Grund: Die betroffenen Landwirte haben massiv gegen notwendige Ausgleichsmaßnahmen zum Bau der Zufahrtstraße protestiert. Im Herbst dieses Jahres wird voraussichtlich ein neues Trassenführungskonzept mit abgespecktem Ausgleich zur Planfeststellung ausgelegt.

Abgesehen von diesen Streitigkeiten im Detail stellt sich auch die Frage eines vertretbaren Kosten-Nutzen-Verhältnisses immer dramatischer. Sollte es tatsächlich zu einer privaten Vorfinanzierung des Wesertunnelbaus kommen - mit der späteren Ratenrückzahlung aus Steuermitteln -, muß nach dem realistischen Preis gefragt werden, den der Steuerzahler letztlich für dieses Unsinnsprojekt zu zahlen hat.

Die bisher bekannten Preissteigerungen für die bundesweit geplanten zwölf privatfinanzierten Straßenbauprojekte geraten nämlich langsam ins Absurde: Den geschätzten Baukosten von 3,889 Milliarden Mark stehen nach einem Sachstandsbericht des Verkehrsministeriums Refinanzierungskosten von knapp acht Milliarden Mark gegenüber. Aus 130,1 Millionen Mark für den Bau eines Teilstücks der A 8 im Saarland werden durch die Privatisierung rund 293 Millionen. Die vierte Elbtunnelröhre in Hamburg soll statt 474 Millionen etwa 1 Milliarde Mark kosten. Nach dieser Logik würde sich der Wesertunnelbau von 542 Millionen auf mehr als eine Milliarde verteuern.

Eines ist sicher: Sollte es je zu einem Wesertunnel kommen, müssen seine Nutzer mit erheblichen Mautgebühren rechnen, um diese Kosten wieder einzuspielen. So zahlen die Betroffenen gleich zweimal: einmal mit ihrem Steuergroschen für den überteuerten Bau und dann für seine Nutzung.


© WATERKANT, ISSN 1611-1583,
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