aus Heft 1 - 2002:
Wesertunnel: Konkurrenz wird verbaut

In rund einem Jahr soll der Wesertunnel südlich von Bremerhaven fertig sein. Das lange umstrittene Verkehrsprojekt war - wie mehrfach berichtet - durchgesetzt worden mit dem Etikett einer die Wirtschaftsstruktur stärkenden Regionalverbindung; tatsächlich aber sind die beiden Röhren zwischen Dedesdorf und Kleinensiel wesentliches Glied der geplanten Küstenautobahn. Bis heute ist gibt es Zweifel, ob für diese Verbindung überhaupt Bedarf besteht, die amtlichen Angaben über das erwartete Verkehrsaufkommen liegen mehr als doppelt so hoch wie die Pkw- und Lkw-Beförderungen der heutigen Fähren.

Die eine, in Dedesdorf selbst, wird eingestellt bei Freigabe des Tunnels. Die andere bei Sandstedt soll testhalber zunächst in vollem Umfang weiter betrieben werden, bis klar ist, wie viel Verkehr der Tunnel tatsächlich an sich zieht. So haben es die Fährbetreiber beschlossen. Der Landkreis Cuxhaven am rechten Weserufer hat sich jetzt ein geschicktes Manöver überlegt, um diese Entscheidung rasch zuzuspitzen:

Der Ort Sandstedt ("Heimatort" der WATERKANT) ist über die Kreisstraße 51 mit der rund vier Kilometer entfernten Autobahn A 27 verbunden. Die einfache Asphalttrasse der K 51 führt durch moorige Marschenwiesen und ist durch den Verkehr von und zur Fähre seit Jahren in einem üblen Zustand. Immer lauter und heftiger werden die Beschwerden der Anwohner über Risse in ihren Häuserwänden und klirrende Tassen im Küchenschrank. Wobei festzuhalten ist, dass die Strasse für den Verkehr, den sie zu tragen hat, einfach falsch konstruiert ist. Seit Jahren werden Schäden, wenn überhaupt, nur notdürftig repariert, die Trasse ist ein rissiges Flickwerk mit meterlangen Schlaglöchern von bis zu 20 Zentimetern Tiefe.

Eine gründliche Sanierung wäre längst fällig gewesen - jetzt hat der Landkreis sie in Aussicht gestellt. Aber nicht für sofort, sondern für 2003, nach Inbetriebnahme des Tunnels. Offiziell wird als Grund auf die leeren öffentlichen Kassen verwiesen. Viele Sandstedter indes vermuten etwas ganz anderes:

Wenn nach Freigabe des Tunnels die Hauptzufahrt zur einzig dann noch konkurrierenden Fähre wegen Bauarbeiten für Wochen oder Monate nur noch eingeschränkt passierbar ist, wird sich der Durchgangsverkehr sehr schnell an den Umweg durch die beiden Röhren gewöhnen. Die Sandstedter haben gleich doppelt das Nachsehen: Jetzt, weil sie weiter unter einen rotten Straße leiden müssen - und später, wenn die Fähren-Bilanz durch solche Tricks negativ beeinflusst wird und fehlende Wirtschaftlichkeit zur radikalen Ausdünnung des Fahrplans oder gar zur Einstellung dieser Verbindung führt...


© WATERKANT, ISSN 1611-1583,
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